BLASENKREBS

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Blasenkrebs – was ist das?

         
Beim Blasenkrebs, auch Harnblasenkarzinom genannt, handelt es sich um einen bösartigen Tumor in der Harnblase. Er entsteht meist durch eine Entartung von Zellen der Schleimhaut (Urothel), die die Blase von innen auskleidet. Im Jahr 2012 erkrankten laut einer Statistik des Robert-Koch-Institutes 21810 Männer und 7100 Frauen an einem Harnblasenkarzinom. Männer besitzen damit ein dreimal höheres Erkrankungsrisiko als Frauen. Blasenkrebs tritt eher in einem höheren Lebensalter auf. Männer erkranken durchschnittlich mit 69, Frauen mit 73 Jahren. Mit einem Anteil von 3,4 Prozent an allen bösartigen Tumoren gehört das Harnblasenkarzinom jedoch zu den selteneren Krebserkrankungen. Seine Heilungschancen hängen vor allem vom Stadium ab, in dem es entdeckt wird.

Schmatische Übersicht Blasenkrebs
Abb. 1: Schmatische Übersicht Blasenkrebs

Welche Ursachen gibt es?

        
Wie bei anderen bösartigen Tumoren gibt es auch für den Blasenkrebs nicht die eine Ursache, die für seine Entstehung verantwortlich ist. Allerdings konnte die Wissenschaft verschiedene Faktoren ermitteln, die das Risiko erhöhen, an Harnblasenkrebs zu erkranken.

Rauchen
Dass Rauchen Lungenkrebs hervorrufen kann, ist den meisten Menschen längst bekannt. Doch dass es auch zu den Hauptrisikofaktoren für Blasenkrebs zählt, wissen die wenigsten. Im Tabakrauch befinden sich krebserregende Substanzen. Diese gelangen beim Inhalieren in die Lunge und gehen von dort ins Blut über. Die Entfernung dieser Giftstoffe aus dem Körper übernehmen die Nieren. Sie filtern das Blut und sorgen dafür, dass die Gifte mit dem Urin wieder ausgeschieden werden. So kommen die krebserregenden Substanzen mit der Schleimhaut der Harnblase in Kontakt und können bewirken, dass Schleimhautzellen entarten.

Untersuchungen zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen der Menge des Tabakkonsums und dem Blasenkrebsrisiko. Schätzungsweise 70 Prozent der Blasenkrebserkrankungen sind auf das Rauchen zurückzuführen. Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern ein sechsfach höheres Blasenkrebsrisiko. Außerdem fanden Wissenschaftler heraus, dass der Blasenkrebs um so aggressiver wächst, je mehr der Betroffene raucht. All das sollte ein Grund mehr sein, mit dem Rauchen aufzuhören. Oder besser gar nicht erst anzufangen.

Chemische Substanzen
Der Kontakt mit bestimmten chemischen Substanzen kann ebenfalls ein Harnblasenkarzinom hervorrufen. Dazu zählen insbesondere die aromatischen Amine, die früher häufig in der chemischen Industrie, in der Textil- und Lederindustrie oder auch im Frisör- und Malerhandwerk zum Einsatz kamen. Aus diesem Grund wird Blasenkrebs in bestimmten Berufszweigen als Berufskrankheit anerkannt. Die aromatischen Amine gelangen über die Haut oder, genauso wie der Tabakrauch, über die Lungen in den Körper, werden von den Nieren wieder aus dem Blut herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden. Der Urin wird in der Harnblase gesammelt. Dort können aromatische Amine oder andere krebserregende Substanzen ihre schädliche Wirkung entfalten, da sie hier über einen längeren Zeitraum mit der Schleimhaut der Harnblase in Kontakt kommen. Heute ist die schädliche Wirkung der aromatischen Amine hinreichend bekannt, deshalb dürfen sie nur noch mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen eingesetzt werden. Trotzdem können auch heute noch berufsbedingte Fälle von Blasenkrebs auftreten, da er sich über einen langen Zeitraum entwickelt.

Chronische Entzündung
Chronische Blasenentzündungen (chronische Zystitis), hervorgerufen durch wiederkehrende Harnwegsinfektionen, durch Blasensteine, das Tragen eines Dauerkatheters oder durch den Befall mit Parasiten, können die Entstehung von Blasenkrebs begünstigen. Wissenschaftlern zufolge führen chronische Entzündungsreaktionen zu einer Überproduktion freier Radikale. Diese greifen die DNA im Zellkern an und können potenzielle Krebsgene aktivieren.

Medikamente
Auch verschiedene Medikamente können zur Entstehung von Blasenkrebs beitragen. Dazu gehören beispielsweise das Schmerzmittel Phenazetin, das wegen seiner gesundheitsschädigenden Wirkung (Blasenkrebs, Nierenschäden) mittlerweile nicht mehr im Handel ist. Auch das Krebsmedikament Cyclophosphamid kann ein Blasenkarzinom hervorrufen. Außerdem steht die Pflanze Aristolochia fangchi, die in chinesischen Arzneimitteln verwendet und zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird, im Verdacht, Blasenkrebs zu begünstigen.

Umweltschadstoffe
Eine hohe Luftverschmutzung und mit Arsen und Chrom belastetes Trinkwasser können das Blasenkrebsrisiko ebenfalls erhöhen.

Wie sehen die Symptome aus?

        
Das Harnblasenkarzinom gehört zu den Krebsarten, die in frühen Stadien nur selten Beschwerden hervorrufen und deshalb lange unentdeckt bleiben. In den meisten Fällen fällt der Blasenkrebs durch Blut im Urin auf. Die Blutbeimengungen können mikroskopisch klein sein (Mikrohämaturie), sodass sie nur mithilfe eines Teststreifens oder bei einer Urinuntersuchung unter dem Mikroskop nachweisbar sind. Größere Blutmengen (Makrohämaturie) sind dagegen mit dem bloßen Auge am rötlich verfärbten Urin erkennbar. Außerdem kann auch verstärkter Harndrang, bei dem die Betroffenen häufig zur Toilette müssen, aber immer nur sehr geringe Urinmengen ausscheiden, auf ein Harnblasenkarzinom hinweisen. Bei fortgeschrittenerem Blasenkrebs können außerdem Schmerzen beim Wasserlassen, Schmerzen in den Flanken, Lymphknotenschwellungen oder Knochenschmerzen auftreten.
Doch alle diese Symptome weisen nicht eindeutig auf einen bösartigen Blasentumor hin, sondern können auch andere Ursachen haben wie beispielsweise eine Blasenentzündung, Blasensteine, gutartige Tumore und weitere Erkrankungen. Deshalb sollten die Beschwerden umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Wie erfolgt die Diagnose?

        
Besteht der Verdacht auf Blasenkrebs, weil Blut im Urin festgestellt wurde oder weil es andere Befunde notwendig machen, einen Blasentumor auszuschließen, werden weitere Untersuchungen veranlasst, um eine genaue Diagnose zu stellen.

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes kann sich der Arzt ein Bild über den Zustand der Nieren, des Nierenbeckens, der Harnleiter und der Harnblase machen.

Blasenspiegelung (Zystoskopie)
Die wichtigste Untersuchung stellt allerdings die Blasenspiegelung dar. Dabei führt der Untersucher eine dünne Röhre, an deren Ende sich eine Linse und eine Lichtquelle befinden, über die Harnröhre in die Blase ein, damit er sich die Innenwand der Blase anschauen kann. Diese Untersuchung wird in örtlicher Betäubung oder in Narkose durchgeführt. Findet der Arzt auffällige Veränderungen, kann er auch gleich eine Gewebeprobe entnehmen. Diese wird dann ins Labor geschickt und von einem Pathologen unter dem Mikroskop untersucht. Er kann erkennen, ob sich in der Probe bösartige Tumorzellen befinden.
Wurde ein oberflächlich wachsender Blasenkrebs entdeckt, kann dieser während einer Blasenspiegelung auch gleich mithilfe einer Elektroschlinge entfernt werden. Dieser Eingriff wird transurethrale Resektion der Harnblase (TUR-B) genannt. Bei oberflächlich wachsenden Tumoren stellt dieser Eingriff gleichzeitig die Therapie dar.
Wächst der Tumor nicht nur auf der Schleimhaut, sondern dringt bis in die Muskulatur der Harnblase vor, können durch die TUR-B die Ausdehnung des Tumors in die Tiefe und seine Aggressivität bestimmt werden.

Steht die Diagnose Blasenkrebs fest, folgen weitere Untersuchungen, um festzustellen, wie weit sich der Tumor ausgedehnt und ob er schon Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat. Dazu werden Bauchraum, Brustkorb und Skelett mithilfe von Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) und Knochenszintigrafie untersucht.

Sind alle Untersuchungen abgeschlossen, kann der Tumor einem entsprechenden Tumorstadium zugeordnet werden. Das ist sowohl für die Vorhersage des Verlaufs der Tumorerkrankung als auch für deren Therapie wichtig.
Beim Harnblasenkarzinom erfolgt, wie auch bei anderen Krebserkrankungen, die Stadieneinteilung des Tumors nach der sogenannten TNM-Klassifikation. Dabei steht T für Tumor, N für Lymphknoten (lateinisch Nodus) und M für Metastasen. Es werden folgende Tumorstadien unterschieden:

Oberflächliche, nicht in die Muskelschicht einwachsende (nicht-muskelinvasive) Tumore

Ta der Tumor ist auf die Schleimhaut begrenzt und wächst nicht in die Muskelschicht der Harnblase ein
Tis Carcinoma in situ
T1 der Tumor wächst bis in das Bindegewebe, das sich unterhalb der Schleimhaut befindet

Ausgedehntere Tumore, die bereits die Muskelschicht infiltriert haben (muskelinvasive Tumore)

T2 Tumore reichen bis in die Muskelschicht der Harnblase
T3 Tumore reichen über die Muskelschicht der Harnblase hinaus
T4 Tumore haben sich auf andere Organe ausgedehnt (bspw. Prostata, Gebärmutter oder Scheide)

N1 ein einzelner regionaler Lymphknoten ist befallen
N2 mehrere regionale Lymphknoten sind befallen
N3 entferntere Lymphknoten sind befallen
NX Lymphknotenbefall kann nicht beurteilt werden
N0 kein Anhalt für einen Lymphknotenbefall

MX Fernmetastasen können nicht beurteilt werden
M0 keine Fernmetastasen nachweisbar
M1 Fernmetastasen

Zusätzlich zur Einteilung in die TNM-Klassifikation erfolgt im Rahmen der mikroskopischen Untersuchung des Tumorgewebes ein sogenanntes Grading. Es ermöglicht eine Aussage über die Aggressivität des Tumors. Dabei wachsen Tumore, die aus gut differenzierten Zellen bestehen, die den normalen Zellen der Blasenschleimhaut noch sehr ähnlich sind, weniger aggressiv als Tumore, deren Zellen sehr schlecht differenziert sind, also wenig Ähnlichkeit mit gesunden Zellen besitzen.

Welche Therapien gibt es?

         
Die Therapie des Harnblasenkarzinoms hängt von der Art des Tumors, seiner Lage und seines Stadiums ab. Außerdem unterscheidet sich die Behandlung nicht-muskelinvasiver von der Therapie muskelinvasiver Tumore.

Behandlung nicht-muskelinvasiver Blasenkarzinome
Bei 75 Prozent der diagnostizierten Blasenkrebserkrankungen handelt es sich um nicht-muskelinvasive Tumore, bei denen der Blasenkrebs noch nicht bis in die Muskelschicht der Harnblase vorgedrungen ist. Dazu gehören die Stadien Ta, Tis und T1. Sie werden mithilfe einer TUR-B, einer transurethralen Resektion, entfernt. Der Eingriff wird in Narkose durchgeführt und ähnelt einer Blasenspiegelung. Der Operateur führt über die Harnröhre ein dünnes Rohr ein, durch das er mit speziellen Instrumenten in das Innere der Blase gelangt und den Tumor entfernt.

Außerdem kann zusätzlich eine lokale Chemotherapie durchgeführt werden, um das Risiko für das Wiederauftreten eines Tumors zu verringern. Dabei wird ein Anit-Krebs-Medikament über einen Katheter direkt in die Blase gegeben (Installationstherapie). Das Gleiche gilt für die örtliche Therapie mit dem abgeschwächten Tuberkulose Lebendimpfstoff Bazilluss Calmette-Guérin (BCG). Allerdings sind beide lokalen Therapien nur in bestimmten Tumorstadien sinnvoll.

Behandlung muskelinvasiver Blasenkarzinome
Bei muskelinvasiv wachsenden Blasentumoren reichen diese Therapiemöglichkeiten nicht mehr aus. Liegt ein Harnblasenkarzinom der Stadien T2 bis T4 vor, wird die Harnblase in einer Operation vollständig entfernt (radikale Zystektomie). Außerdem entfernt der Operateur die Beckenlymphknoten, bei Männern die Prostata und die Samenbläschen und bei Frauen die Gebärmutter, die Eierstöcke und Eileiter und einen Teil der Scheidenwand.

Gleichzeitig wird eine neuer Harnabfluss geschaffen. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon ist die operative Konstruktion einer Ersatzblase (Neoblase) aus einem Stück Dünndarm. Der Urin kann so weiter auf dem üblichen Wege entleert werden. Allerdings kann es zu Inkontinenz- und Blasenentleerungsproblemen kommen.
Eine andere Möglichkeit ist die Implantation der Harnleiter in den unteren Teil des Dickdarms, wo der Urin dann mit dem Stuhl ausgeschieden werden kann.
Außerdem kann man den Urin über eine Öffnung in der Bauchwand ableiten (Urostoma). Bei einem Ileumconduit wird der Urin in ein Stück ausgeschalteten Dünndarm geleitet. Es mündet in einer Bauchöffnung, über die der Urin nach außen in einen aufgeklebten Urinbeutel abfließt. Eine andere Variante ist ein Nabelpouch. Hier wird ähnlich wie bei einer Neoblase aus Darmanteilen ein neues Auffangorgan für den Urin geschaffen. Der Urin wird über den Nabel nach außen geleitet. Durch den Druck im Bauchraum ist die Stomaöffnung allerdings dicht. Patienten müssen keinen Urinbeutel tragen, sondern können den Urin mithilfe eines Katheters über den Nabel entleeren.

Bei fortgeschrittenem Blasenkrebs kann eine zusätzliche Chemotherapie sinnvoll sein. Dabei wird eine Kombination krebshemmender Medikamente verabreicht, die das Zellwachstum der Krebszellen bremsen und diese abtöten sollen. Die Chemotherapie ist eine Möglichkeit, den Behandlungserfolg zu verbessern und zu verhindern, dass sich mehr Metastasen bilden. Alleine reicht sie beim Blasenkarzinom allerdings nicht aus, den Krebs zu besiegen. Außerdem kann auch eine Bestrahlung des Tumors zum Einsatz kommen oder eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie.

Patienten, bei denen ein Urostoma angelegt werden muss, stellen sich natürlich viele Fragen. Welche Stomaarten gibt es? Welche Vor- und Nachteile haben sie? Wie sieht mein Alltag aus, wenn der Urin über ein Stoma abgeleitet wird? Kommen Einschränkungen auf mich zu? Welche Hilfsmittel gibt es, die mir mein Leben erleichtern können? Wer kann mich beraten? Antworten auf diese Fragen finden Sie unter dem Menüpunkt Urostoma.
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